Ewigkeit

Die Sonne im Frühling, welche die Schatten der kahlen Äste auf die Häuserwände warf. Der sanfte noch kühle Wind, der durch die trockenen Blätter raschelte. Das Lachen der Kinder im Sommer, die sich freudig in das frische Wasser im Brunnen stürzten. Meine Mutter, wie sie Sonntags die Wäsche wusch, danach in der Küche stand und duftendes Essen für uns kochte. Papa, der in seinem kleinen Kämmerlein saß und an einer kaputt gegangenen Lampe bastelte. Die Abende, die ich bei einer Freundin verbrachte. Abendbrot auf dem Balkon. Ein Spaziergang durch die Stadt. Die Streiterein mit meiner Schwester. All das schrumpfte zusammen, zu einem festen Brocken in meinem Herzen, als die Bomben fielen.

Als die Sirenen erklungen, saß ich im Zimmer und hatte auf die Straße herunter geschaut. Wie ausgestorben erschien die Stadt, nur ein-, zweimal kam eine verhüllte Person vorbei mit eiligen Schritten. Autos standen da, die Bäume trugen kaum Blätter und es lagen ein paar alte Zeitungen herum, die der Wind ab und zu anhob. Grau in Grau erschien mir der Tag, als wären alle Farben der Erde ausgelöscht. Der Morgen war Abend und der Nachmittag war zum Vormittag geworden. Die Zeit schien gefangen in einem Moment. Alles war ruhig gewesen in der Wohnung, im gesamten Haus. Niemand traute sich einen Mux von sich zu geben oder laut den Stuhl über den Boden zu schieben. Und in dieser Stille begannen sie, die Sirenen. Wie oft hatten wir sie in der lezten Zeit schon gehört und wie oft waren wir in die Keller gelaufen voller Angst.

Dieses mal hörten wir schon die Flugzeuge, wie sie kamen mit ihren ratternden fast schon jaulenden Geräusch. Wie jedes mal zuckte ich auf und mein Herz begann wild zu pochen. Zugleich waren wir alle aus den Zimmern in den Flur getreten und schauten uns traurig an. Wir wechselten kein Wort miteinander, hatten wir doch schon zu oft diesen schrecklichen Moment erlebt, uns schon so oft voneinander verabschiedet, dass kein Wort und keine Träne mehr übrig war. Es schien als wüssten wir alle Bescheid. Mit ein paar Decken in der Hand rannten wir das Treppenhaus herunter, wo wir auf die anderen Bewohner des Hauses trafen. Ingo mit seiner Frau Judith aus dem 3. Stock. Herr und Frau Kutz aus dem 2. Stock mit ihren Kindern Jana, Ingrid und Gerd. Frau Fischer ebenfalls aus dem 3. Stock, die im hohen Alter nur langsam die Treppe herunter lief. Die andere Familie aus dem 2. Stock war bereits geflohen und bei ihren Verwandten irgendwo auf dem Land untergekommen. Frieder und sein Nachbar Helmut mit Frau Gerda Richter aus dem 1. Stock saßen schon mit gesenkten Kopf im Keller auf der Bank. Wir liefen an ihnen vorbei in den Kellerraum, der für uns vorgesehen war. Dann hörten wir schon die ersten Einschläge ganz in der Nähe.

Der Boden bebte. Von den Wänden bröckelten der erste Putz und ein paar kleine, lösgelöste Steinstückchen. Das Dröhnen war fürchterlich und so laut, dass fast die Ohren betäubt wurden. Ich saß neben meinem Vater und drückte mich an ihn. Neben ihm saß meine Mutter zusammen mit meiner Schwester.

Ich schaute zu meinem Vater auf und er blickte mich an. Wir hörten das laute Jaulen und Pfeifen eines Geschosses. Es traf auf den Dachstuhl, detonierte jedoch nicht sofort, sondern erst, als es unten auf ebener Erde, auf der Decke des Kellers ankam. Sekundenschnell explodierte die Bombe und zerfetzte alles in ihrerer Nähe. Backsteine und Balken wurden weggeschleudert. Das Feuer breitete sich in einer riesigen Wolke so schnell im ganzen Keller aus, dass wir es gar nicht mitbekommen konnten. Zu schnell ging alles, zu schnell wurden unere Körper zu schwarzen, festen Krusten verbrannt.

Enganeinander gepresst immer noch in der gleichen Position saßen wir lange Jahre unbemerkt unter Schutt verborgen. Unsere Schicksale, unser ehemals flüssiges Blut und weiches Fleisch in festen, schwarzen Brocken vereint. Die Erinnerungen an schöne Tage, an traurige und schlimme Tage waren immer noch versteckt in meinem Herzen. In der Feuersbrunst waren sie zu einer festen, harten Masse geworden in der schwarzen Asche meines Körpers. Durch das schnelle Feuer war der Moment unseres Todes festgehalten für die Ewigkeit.

Text: © Teresa Merfert

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Die Maske

Felder und Wiesen strichen vorüber. Weite Flächen, Ebenen nur mit Gras bewachsen. Dazwischen wenige Bäume mit üppigen Kronen. Darauf folgten dunkle Wälder. Die Bäume so hoch und dicht beieinander stehend, dass man den Himmel nicht mehr sehen konnte. Nur ein schmaler Streifen führte über die Straße entlang. Durchbrochen von einzelnen Baumwipfeln.

Sie flogen an mir vorbei, sodass nur noch zarte Linien zu sehen waren. Die Farben wechselten sich ab und gingen ineinander über. Sie wurden breit, vereinten und trennten sich wieder. Mein Blick fokussierte einzelne Abschnitte der vorüberfliegenden Umgebung. Ein Baum. Ein Gebüsch. Ein dunkles Versteck.

Schnell waren die Stationen wieder verschwunden. Leer und einsam, und doch warm und voller Leben. Immer wieder fixierte ich einzelne Punkte. Ich erwartete, mit Ungewissheit und Angst. Steht er hinter diesem Baum? Ist dort hinten jemand zwischen den Bäumen? Ist dort ein Gesicht? Eine Maske?

Weiter ging es, immer weiter. Vorüber flogen die Farben und Formen auf meiner Flucht. Auf meiner Jagd. Auf meiner Suche.
Schneller und schneller fuhr ich, hektischer wurde mein Blick. Doch er tauchte nicht auf. Er blieb stumm und lies mich allein.

 

In einem Tannenwald stand er. Schräg versetzt hinter einem Baum schaute er geradeaus und mich doch direkt an. Seine Maske hielt er fest mit der rechten Hand vor sein Gesicht. Sie war so groß, dass weder die Haare noch der Hals hervorlugten.
Ausdruckslos und neutral wartete er.

Nach einer langgezogenen Kurve hatte ich ihn entdeckt. Mein Blick blieb an ihm haften und der Moment hielt inne.
Ich fuhr vorbei und konnte meine Augen nicht von ihm abwenden. Als ich vorüber war und in den Rückspiegel schaute, war er weg. Leer der Baum, hinter dem er gestanden hatte. Schwarz die Zwischenräume.
Ich war wieder allein. Doch gleichzeitig blieb er jetzt immer bei mir.

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Er hatte nur dagestanden, bewegungslos. Sein Blick hielt mich gefangen und ich blieb erstarrt. Ich hatte ihn nur angesehen, ohne einmal die Augen zu schließen. Gefangen, gefesselt, versunken.

Immer hatte ich nach ihm gesucht. Ausschau gehalten auf jeder Fahrt. Ihn überall erwartet und gefürchtet. Nun war er da und ich angekommen. Endlich war ich befreit. Zugleich versunken in der Tiefe.

 

Text: © Teresa Merfert
Bild: © Teresa Merfert
Fotografie: © Teresa Merfert

Schichten ins Weltall

Acryl auf Papier, Papier, Klebstoff

Wie ein Fenster wirkt das schwarze Viereck in der Mitte des Bildes. Es führt direkt ins Weltall hinein und setzt vor allem die Erde in das Zentrum. Einerseits drückt das Bild Sehnsucht und andererseits auch Traurigkeit aus. Gerade der Gegensatz von dem Weiß und Schwarz, der Leichtigkeit und der Schwere, des Feligranen und des doch auch groben Pinselstrichs, betonen diese Gefühle. Eine Grenze die nie überwunden werden kann oder wenn doch, dann endgültig.

Es hat unheimlich viel Spaß gemacht, die Fotos von dem Bild zu machen. Erst in den Fotos kann das Bild richtig wirken, durch die Fokusierung, Schärfe und Unschärfe. Der schwarze Hintergrung (ein schwarzer Holztisch 😉 ) passt perfekt zu dem Bild. Gerade im ersten Foto verschwimmen die Grenzen, zwischen schwarzem Holztisch und dem schwarz des Bildes. Das Foto ist im Grunde zu dunkel angefertigt, aber ich fand, es passte so gut und habe es deshalb nicht so extrem nachbearbeitet. Man könnte denken, dass das schwarze Weltall-Bild in Wahrheit sich direkt auf dem Tisch befindet. In den nachfolgenden Fotos, wo das komplette Bildnis fotografiert ist, unterstützt die Holsmaserung zusätzlich den Gegensatz von Papier und Farbe. Diese dritte Struktur ist wie eine dritte Ebene. Die Ebene der Realität, die weiße Papierebene ist die abgebildete Realität und die dritte schwarze Ebene, die des Weltalls, ist die Sehnsuchtswelt.

In den Fotos kann man teilweise unter die weiße Papierschicht schauen. Ich finde, dadurch erhält die dritte schwarze Ebene eine richtige Tiefe. Wie etwas verstecktes, was sich hinter dem weißen Papiervorhang befindet. Und wir sehen nur den Ausschnitt, der gewählt wurde, die Sonne, die Venus und die Erde. (Merkur ist nicht mit abgebildet, da er so klein ist..).

Ich hoffe, auf euch wirken die Fotos auch so stark bzw. ihr seht darin irgendetwas..

Text: © Teresa Merfert
Bilder: © Teresa Merfert
Fotografien: © Teresa Merfert

Ellen

An einem lauen Sommerabend öffnete Ellen die Augen. Sie lag auf einer Wiese im Park, die noch ganz warm von der Sonne war. In ihrer Umgebung saßen und lagen viele andere Leute, die den schönen Abend zum Grillen und Beisammensein nutzten.

Ellen war nach der Schule noch in den Park gegangen und hatte ein Buch gelesen, doch dann war sie müde geworden. Sie hatte das Buch weggelegt und war eingeschlafen. Lautes Gegröle hatte sie geweckt und als sie die Augen öffnete, lief gerade eine Gruppe Jungen vorbei. Sie stützte sich auf die Ellenbogen und schaute ihnen nach. Die Truppe lief zu einem größeren Gelager, wo sich mehrere Jugendliche tummelten, grillten und Bier tranken. Ellen schaute sich um, viele Leute waren gekommen und kaum ein Fläckchen Wiese war noch frei. Lautes Lachen und Gemurmel war zu hören, überall schien eine ausgelassene Stimmung zu herrschen. Sie setzte sich auf und beschloss ihren Sitzplatz freizugeben. Sie sammelte ihre Sachen zusammen, packte alles in ihre Tasche und schlängelte sich durch die Sitzgruppen.

Durch eine Baumreihe gelangte sie auf den Gehweg. Ihr begegneten immer wieder Leute, die gemütlich durch den Park schlenderten. Sie begannen Ellen zu stören, vor allem das laute Gerede und die ausladenden Bewegungen Ihrer Gestik. Als müssten sie überall und von Jedem Aufmerksamkeit erhalten. Da entdeckte sie einen kleinen Weg, der in das Gebüsch und zwischen die Bäume führte. Kurz entschlossen bog sie ab und verschwand hinter den Büschen. Hier war es viel angenehmer und ruhiger. Sie hörte zwar noch die Stimmen der anderen Spaziergänger, doch war es zu einem leisen Gemurmel geworden. Da und dort raschelte es im Gehölz und eine kleine Amsel kam zum Vorschein. Ellen blieb stehen und beobachtete den Vogel, wie er durch das Geäst sprang und immer wieder stehen blieb, um zu horchen.

Ellen schaute an sich herunter. Sie hatte eine lange dünne Hose und ein T-Shirt an. Ihre Haut begann zu spannen und zu jucken. Da musste sie an den Roman denken, den sie auf der Wiese gelesen hatte. Dort waren einige Menschen, die sehr lange lebten auf einen anderen Planeten geflogen. Auf dem Planeten lebten kleine Tiere mit menschlichen Gesichtern in einer Seelengemeinschaft. Einige von den Langlebigen verbanden ihre Geister ebenfalls mit den Bewohnern. Ihre Körper blieben bestehen, doch ihr Geist war in die Gruppe der Bewohner eingetreten. Sprach jemand eine solche Person an, sprach man nicht nur mit ihr, sondern mit der Gemeinschaft der Seelen. Ellen konnte es sich nicht vorstellen, in eine Seelen-Kommune einzutreten. Jeder konnte deine Erinnerungen und Gedanken miterleben, du warst nie mehr allein. Dein Körper würde dabei auch nicht mehr dir allein gehören, sondern allen anderen Seelen in der Gemeinschaft. Sie war doch aber eine Person, eine Seele, wie könnte sie dann noch richtig existieren? Sie würde sich selbst aufgeben müssen. Lieber würde sie ihren Körper aufgeben und nur noch als Seele bestehen. Wie der Wind könnte sie überall hin fliegen, aber auch in jeden Gegenstand und in jede Person eintauchen. Dabei würde sie nicht die Kontrolle übernehmen, sondern nur den jeweiligen Körper fühlen.

Ellen kratzte bei diesem Gedanken an ihrem Arm. Die Haut spannte so fürchterlich und erschien ihr so trocken, dass sie zerbersten könnte. Ihr Körper schien sich von Innen gegen ihre Haut zu drücken und heraus zu wollen. Ihre Nägel gruben sich so tief in die Haut, dass sie ein Stück davon zwischen die Finger nahm und wie die Schale einer Frucht von Ihrem Körper abzog. Wie gut es tat, sich endlich frei zu machen und nicht mehr diese Spannung spüren zu müssen. Ihr kam es vor, als könnte ihr Körper über diese kleine befreite Stelle endlich richtig einatmen. Von dem einen Loch in ihrer Haut ausgehend zog sie immer weitere Stücke und schälte sich ihre komplette Haut ab. Die Fetzen lagen um sie herum. Die Amsel hüpfte aufgeregt und schaute sie an. Ellen fühlte sich befreit und leicht, doch diese Freiheit stach und fühlte sich wund an. Wie ein frisch geborenes Kind in der Wirklichkeit angekommen, schmerzte diese und sie musste sich erst daran gewöhnen. Die Amsel sprang auf ihren Fuß und äugte nach oben. Sie hielt ihre Hand zu dem Vogel und er sprang ganz vertraut und neugierig darauf. Sie hob ihn hoch und schaute ihm in die Augen, dann öffnete sie die Flügel und flog davon.

© Teresa Merfert

Strommasten

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Strommasten 1
(Bleistift auf Papier)

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Strommasten 2
(Bleistift auf Papier)

Strommasten fand ich irgendwie schon immer sehr faszinierend. Diese Verbindung von Natur und dann der harte Schnitt durch die riesigen von Menschenhand erschaffenen Gerüste, die doch auch irgendwie filigran wirken. Verbunden miteinander durch ein feines Netz stehen sie da auf den Wiesen, in den Wäldern und über große Felder hinweg. Sie sind doch auch irgendwie schön, auch wenn sie wahrscheinlich viele als hässlichen Umweltfrevel empfinden.

Fotos: © Teresa Merfert
Zeichnungen: © Teresa Merfert
Text: © Teresa Merfert

Älteres Paar auf einer Bank

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Älteres Paar auf einer Bank
(Bleistift auf Papier)

Das ist das ältere Paar auf der Bank, welches kurz in der Geschichte Der Mann im Park vorkommt. Der Protagonist aus der Geschichte geht einen Gang entlang, an dessen Wände verschiedene Bilder hängen. Darunter ist auch ein Bild eines Paares, welches auf einer Bank sitzt und auf einen Fluss schaut.
Dieses Bild habe ich tatsächlich gezeichnet als ich 11 Jahre alt war. Das original Bild habe ich noch irgendwo aber ich hatte Lust ein Neues anzufertigen (auch, da das Original doch mehr wie einer Kinderzeichnung aussieht 😉 ).
Die Szenerie, auf welche die Beiden in der original Zeichnung schauen, fehlen hier. Ich fand es schöner so, da der Mittelpunkt des Bildes komplett nur aus dem Paar besteht. Außerdem könnte es auch aus der Sicht des Protagonisten sein, wie er nur das Paar fixiert und den Hintergrund verblassen lässt.

 

Zeichnung: © Teresa Merfert
Foto: © Teresa Merfert
Text: © Teresa Merfert

Versunken

Heute ist es genau 1 Jahr her, dass ich meinen Blog gegründet habe. Daher ein kleines Special: Der Beginn einer Reihe von Werken zu einem Thema, mit dem ich mich seit langem beschäftige und das mir auch irgendwie sehr am Herzen liegt:

 

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Versunken 2
(Bleistift auf Papier)

Während meiner Studienzeit sollten wir einmal Skulpturen zum Thema „Mensch, Identität“ herstellen. Mir viel damals ein kleiner Ausschnitt aus „Die Aufzeichnungen des Malte Laurids Brigge“ von Rainer Maria Rilke ein, den wir in der Schule durchgenommen hatten. Es ging dabei um die Masken der Menschen. Jeder Mensch hatte mehrere Masken, manche wechselten sie jeden Tag und andere trugen immer nur eine.
Der Protagonist des Buches beschrieb eine Situation, als er im Park spazieren ging. Dort begegnete er einer Frau, die auf einer Bank saß. Sie hatte ihr Gesicht in den Händen vergraben. Erschrocken von den Schritten des Spaziergängers hob sie zu schnell ihren Kopf und lies dabei ihre Maske in den Händen zurück. Der Protagonist darüber erschüttert, starrte nur auf die Rückseite der Maske und war voller Angst, das nackte Gesicht zu sehen.

Genau diese Szene faszinierte und fasziniert mich heute noch sehr. Sie führte mich zu einer Frage, die wohl eher das Gegenteil von der Aussage Rilkes Textes ist. Ich gestaltete mehrere Skulpturen zu der Frage, wie wohl der Mensch ohne Identität und ohne Gesicht aussieht. Im Gegensatz dazu spielte Rilke wohl eher auf das Verstecken der Identität an. Die Menschen, die sich hinter ihren Masken verstecken und dort ihre wahre Identität zu entdecken ist.

Seitdem Studium habe ich mich immer mal wieder mit dieser Szene beschäftigt. Das Thema veränderte sich dabei wieder. Nicht mehr die Masken und die Identität des Menschen viel mir in der Szene ins Auge, sondern die Frau auf der Bank. Wie sie ganz versunken in ihren Händen dagesessen hatte.
Diese Versunkenheit kennt wohl jeder. Trauer, die einen überkommt. Ob man sein Gesicht in den Händern vergräbt oder nicht, man versinkt ganz in sich selbst. Aus diesem Gefühl und dieser Vorstellung von einem Versinken in sich selbst sind in Folge mehrere Zeichnungen entstanden. Die Obige ist eine davon. Sie stellt einen Mann dar, der komplett in seine Hände versinkt.
Da einige Betrachter mir allerdings schon gesagt haben, dass sie kleine Schuhe auf zwei Händen gesehen haben, habe ich die folgende Skizze noch angefertigt. Es zeigt den Mann und die Hände von der Seite.

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Skizze zu „Versunken 2“
(Bleistift auf Papier)

Ich hoffe, mit dieser Zeichnung kann man die Obige besser erkennen.

Wie ihr vielleicht selber schon bemerkt habt, wenn ihr meine Geschichte Der Mann im Park gelesen habt, kommt auch darin in gewisser Weise der Ausschnitt Rilkes vor. Auch der Protagonist meiner Geschichte sitzt an einem Platz auf einer Bank. Es ist zwar nur dieser Aspekt, der sich gleicht aber die Frau auf der Bank aus „Die Aufzeichnungen des Malte Laurids Brigge“ war doch irgendwie Anstoß zu dieser Geschichte und wenn auch nur die Anfangssituation.
So treten bei manchen meiner Werke immer kleine Situationen, Elemente, Figuren oder Emotionen wieder auf. Es ist eine Art Prozess, den der Ausschnitt aus Rilkes Roman in mir ausgelöst hat und der immer wieder Neues hervorbringt.

Fotos: © Teresa Merfert
Zeichnungen: © Teresa Merfert
Text: © Teresa Merfert